• Julia Kuntz

Alle heisst eigentlich wirklich alle. - 7. April 2017

Gott sagt niemals “Ups”. Diesen Satz brachte ein Redner auf einer Veranstaltung, die ich vor einiger Zeit besuchte und die mich zum Nachdenken brachte - die ich auch deswegen mit euch teile. Gott macht keine Fehler und Gott passieren keine Versehen. Das ist manchmal schwierig einzugestehen, wenn man einen Menschen mit Behinderung gegenüber steht. Hat Gott das wirklich gewollt? War das so geplant? Und warum?

Ich hatte mir vorher noch nie Gedanken darüber gemacht, aber wir haben kaum Menschen mit Behinderung (weder körperlich noch geistig) in unseren Gemeinden. Kein einziger Kindergottesdienst in dem ich bis jetzt war, hatte Kinder mit Autismus oder Trisomie 21. Ich habe auch keine Blinden oder Taube in den verschiedenen Gemeinden gesehen, in denen ich bis jetzt war. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen.


In Amerika sind ca. 22% der Bevölkerung auf irgendeine Art beeinträchtigt, in Deutschland ist jeder 10. offiziell schwerbehindert. Und auch wenn man manche Behinderungen den Menschen nicht ansieht, sieht man trotzdem kaum Menschen mit Behinderung in unseren Gemeinden. Bis jetzt war mir das gar nicht bewusst.

Hier sind zwei Bibelstellen, die ich so vorher noch nie gelesen hatte:


Lukas 14:12-14

12 Dann wandte sich Jesus zu dem, der ihn eingeladen hatte, und sagte: »Wenn du Gäste einladen willst, ob zu einer einfachen Mahlzeit oder zu einem großen Essen, dann lade dazu nicht nur deine Freunde, deine Brüder, sonstige Verwandte oder reiche Nachbarn ein. Sie würden dich wieder einladen, und das wäre dann deine ganze Belohnung. 13 Nein, lade Arme, Behinderte, Gelähmte und Blinde ein, wenn du ein Essen gibst.14 Dann bist du glücklich zu preisen. Denn sie können es dir nicht vergelten; dafür wird es dir bei der Auferstehung der Gerechten vergolten werden.«


Wir kümmern uns am meisten um die Armen, und das ist auch ein unglaublich wichtiger Dienst. Aber Jesus hält uns dazu an, alleeinzuladen. Auch Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen.


Matthäus 28:18-20

18 Jesus trat auf sie zu und sagte: »Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. 19 Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.«


Jesus hat nicht gesagt, geht zu allen, die ziemlich gesund sind und keine körperlichen Probleme haben. Er hat nicht gesagt, geht zu allen, die gleich verstehen, was ihr ihnen erzählt und ein helles Köpfchen haben. Er hat gesagt, geht zu allen. Das schließt auch Menschen mit geistigen Behinderung ein. Gott offenbart sich jedem Menschen auf seine eigene Art. Wir müssen Gott nicht in seiner Gänze erfassen können, um eine Beziehung mit ihm haben zu können. Ehrlich gesagt ist sein höchstes Gebot, ihn und andere zu lieben. Das kann jeder. Das kann ein Kind mit Autismus oder ein Mann der sein Leben lang schon blind ist genaus so gut wie jeder andere.


Bei mir geht es leider oft nach dem „Aus den Augen, aus dem Sinn“ Prinzip. Wen ich nicht sehe, an den denke ich nicht. Aber Tatsache ist, Gott sieht und denkt an jeden. Er liebt und will jeden retten (2. Petrus 3:9). Menschen mit Behinderung, auch gerade mit geistiger Beeinträchtigung, sind weder eine Last noch ein Problem, das es zu lösen gilt. Sie sind weder ein Projekt, noch ein Dienst, den es aufzuziehen gilt. Gott hat sie in unsere Mitte gestellt, um uns zu bereichern. Sie sind sein Geschenk an uns. Sie geben uns die Möglichkeit, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten und zu lernen, bedingungslos zu lieben. Sie zeigen uns, dass wir alle abhängig und auf Hilfe angewiesen sind und dass wir alle gleichermaßen Gottes Gnade brauchen. Sie helfen uns, unsere Prioritäten neu zu sortieren und uns nicht über die unwichtigen Dinge im Leben aufzuregen sondern stattdessen Freude im Wichtigen und im Einfachen zu finden.

Gott stellt die verschiedensten Menschen in unser Leben um uns zu begleiten, zu bereichern, herauszufordern, zu lehren und auch zu lieben. Und Gott stellt uns in die Leben anderer Menschen, um genau das Gleiche zu tun. Darum lasst uns Gottes Geschenk für uns annehmen, und gleichzeitig sein Geschenk an andere sein. Lasst uns in unseren Gemeinden einen Raum für die schaffen, die anders sind als wir und sie lieben, wie sie sind. Auf eine ganz praktische Art und Weise.

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