• Julia Kuntz

Alltagsleben Teil 1 - Gottesdienst - 18. Apr 2017

Da ich dieses Schuljahr tatsächlich keinen einzigen Newsletter verschickt habe, wird es langsam aber sicher wirklich Zeit, euch ein bisschen in das einzuweihen, was ich hier eigentlich so treibe. Damit werden also die nächsten Blogposts gefüllt.

Ich fange einfach mal ganz zusammenhangslos mit meinem Sonntag an: Gottesdienst.


Ihop hat eine Gemeinde, die mit dem Gebetsraum assoziiert und gleichzeitig doch eigenständig ist: die Forerunner Christian Fellowship, kurz FCF. Als Studenten sind wir angehalten, einmal die Woche in einen Gottesdienst zu gehen und ich habe mich dazu entschieden, das in der hauseigenen Gemeinde zu tun. Ehrlicherweise einfach, weil sie für mich gut erreichbar ist, einen frühen Gottesdienst um 8:45 Uhr hat, und mir generell gut gefällt.


In Amerika ist es ähnlich wie auf den Philippinen: Hier kann jeder der will eine Gemeinde gründen und sie so gestalten, wie er lustig ist. Deswegen gibt es hier interessante Namen (so wie unserer) und auch alle Größen. Mit 300-400 Besuchern pro Gottesdienst, von denen wir zwei haben, gehören wir definitiv zu den etwas größeren Gemeinden, aber sind noch lange nicht an der Obergrenze. Für mich, die immer nur in kleineren Gemeinden war (wer kann in Deutschland schon so viele Leute überhaupt in einem Gemeindesaal unterbringen), war das am Anfang auch die größte Umstellung. Und prompt gibt es hier auch deswegen noch den Programmpunkt, den Sitznachbarn kennenzulernen und ein bisschen Smalltalk zu machen. Der introvertierte Teil von mir fand das zu Beginn sehr unangenehm, wurde mittlerweile aber zwangskonvertiert und der amerikanischen Smalltalk-Kultur unterworfen - und hat eine Menge dazu gelernt!

Schön finde ich auch, dass es ca. 30min Lobpreis gibt, denn wenn man erstmal den Gebetsraum und seine zweistündigen Sets gewöhnt ist, bringen einen kurze Lobpreiszeiten vollkommen durcheinander. 30min sind da die unterste Schmerzensgrenze. Mittlerweile habe ich mich auch daran gewöhnt, dass Gottesdienste immer zwischen 1,5-2h gehen und finde auch da alles kürzere irgendwie irritierend.


Ein anderer Punkt, auf den mich eine Freundin aufmerksam machte, als sie zu Besuch war, sind die Unterschiede in der amerikanischen Prediger-Kultur. Mittlerweile fallen sie mir selbst schon fast nicht mehr auf (ein gutes Zeichen!). Kulturell wird hier viel mehr wiederholt als in Deutschland: Wo wir unseren Text zielstrebig von Anfang bis Ende durcharbeiten, kehrt der Amerikaner immer wieder zu den vorher gemachten Punkten zurück. Etwas nur einmal zu sagen ist schon fast ein “No go”. Am Anfang hat mich das in den Wahnsinn getrieben, aber nach zwei Jahren habe ich gelernt, beim Zuhören einfach ein bisschen zu entspannen und mir Sachen auch erst beim zweiten Mal zu merken. Zudem gibt es einem sehr viel Freiraum, das Gesagte noch während der Predigt zu überdenken oder mit Gott darüber zu reden.

Ein anderer kultureller Unterschied ist es, dass amerikanische Pastoren viel mehr Bibelstellen in ihrer Predigt benutzen; davon könnten wir uns wirklich mal eine Scheibe abschneiden! In einer Predigt wird nicht nur mit einer Bibelstelle begonnen, sondern auch weitergeführt, belegt, und argumentiert und es werden gerne auch mal gleich mehrere Bibelstellen aufgeworfen um einen einzelnen Punkt zu belegen.


Für mich persönlich ist es sehr ermutigend zu sehen, wie sich mein Herz in Bezug auf Gottesdienstbesuche verändert hat: Zu meinen landeskirchlichen Zeiten bin ich nur aus Pflichtbewusstsein gegangen. Weil man halt geht, das als guter Christ so macht, und ein paar von den eigenen Freunden auch gehen. Mittlerweile gehe ich gerne in den Gottesdienst und es ist ein fester Bestandteil in meiner Woche geworden, den ich vermisse, wenn ich ihn nicht habe. Sogar im Urlaub gehe ich gerne in den Gottesdienst! Gemeinsam mit anderen Gott anzubeten, ihm zu begegnen und mehr von ihm zu lernen ist wirklich etwas, das Spaß machen kann! Wenn man eine für sich passende Gemeinde gefunden hat ;-P

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