• Julia Kuntz

Alltagsleben Teil 6 - Ein ganz praktischer Dienst - 9. Mai 2017

In diesem Semester hat mein Team neben dem sonntäglichen Besuch im Waisenhaus auch das Anliegen, Familien, die Kinder adoptiert haben, zu unterstützen. Ein mit Ihop verbundener Dienst, genannt OJC (Orphan Justice Center = Zentrum für Gerechtigkeit für Waisen), ist darauf ausgerichtet, sich für Waisen einzusetzen und die Gemeinde auf diese Not aufmerksam zu machen, sie dazu aufzurufen, Waisenkinder zu adoptieren, und sie auf diesem Weg auf verschiedene Arten zu unterstützen. Eine Art ist, ihnen praktische Hilfe im Haushalt anzubieten. Ein adoptiertes Kind braucht gerade in den ersten Jahren in vielerlei Hinsicht mehr Aufmerksamkeit (und damit Zeit, Kraft und Geduld etc.). Indem wir als Team den Eltern Aufgaben im Haus und Garten abnehmen, entlasten wir sie und geben ihnen die Möglichkeit, sich gezielt Zeit für sich, ihr Kind, oder andere Aufgaben zu nehmen.

Alle amerikanischen Studenten in meinem Team gehen einmal die Woche einzeln zu einer festen Familie; wir internationalen Studenten (6 von uns) können das aus rechtlichen Gründen nicht. Deswegen machen wir als Gruppe bei verschiedenen Familien Großeinsatz.

In Ihop haben ganz schön viele und auch sehr unterschiedliche Familien adoptiert: Eine alleinerziehende Mutter hat das Pflegekind, das sie immer wieder in Kurzzeitpflege hatte, adoptiert. Eine relativ gut situierte Familie hat über die Jahre 14 Kinder adoptiert (nein, das ist kein Schreibfehler). Mittlerweile sind die Eltern in ihren 60ern und nur noch die letzten 5 Kinder Leben im Haus. Eine andere Familie mit 7 eigenen Kindern hat 2 Kinder aus China adoptiert. Ihr letztes biologisches Kind hat Down Syndrom und von den beiden adoptierten Kindern hat ebenfalls eins Down Syndrom und das andere eine andere leichte Behinderung. Diese Adoption hat sie mehrere Jahre und 50,000$ gekostet. Wieder eine andere Familie hat ein größeres Haus etwas außerhalb und hat mehrere Kinder mit körperlichen Behinderungen adoptiert. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen.


Zu sehen, wie viel diese Eltern (und auch ihre Kinder) aufgeben haben, um fremden Kindern eine Familie und ein Zuhause zu geben, ist unglaublich beeindruckend und berührt mich jedes Mal, wenn wir eine neue Familie treffen. Zu sehen, wie komplett sie das Leben und die Zukunft eines Kindes verändert haben, ist schon fast unfassbar. Auch wenn wir nichts großartig machen außer Gartenarbeit, Äste einsammeln, Unkraut jäten, Fenster putzen, Staub wischen und so weiter, ist es trotzdem eine Ehre, diesen Familien zu dienen. Sie haben das gewagt, was sich sonst kaum einer traut; haben sich bewusst dazu entschieden, ihren eigenen Komfort aufzugeben um das Leben eines anderen Menschen zu verändern. Nicht aus der Ferne, sondern aus nächster Nähe, in ihrer Familie, ihrem Zuhause, mit ihren Ressourcen. Ihrer Zeit, ihrem Geld, ihrer Liebe, ihrer Kraft.

​Das ist so einige Unterstützung wert.

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