• Julia Kuntz

Aus Prinzip. - 24. Feb 2017

Gebet in unseren Alltag zu integrieren ist eines der schwersten Dinge, die wir tun können. Es geht einfach gegen unsere Natur. Ich will es lieber selber machen, als jemand anderen darum zu bitten. Ich will jetzt gleich Resultate sehen. Und bitte genauso, wie ich sie mir vorgestellt habe.

Beten ist das genaue Gegenteil. Wenn ich bete, lege ich das Geständnis ab, dass ich es doch nicht alleine schaffe. Ich gebe mich geschlagen und warte auf Gottes richtigen Zeitpunkt. Ich lasse ihm die Freiheit, zu entscheiden wie genau er meine Bitte beantwortet.

Furchtbar frustrierend manchmal, wenn ihr mich fragt. Glaubt der doch wirklich, er könnte und wüsste alles besser als ich, dieser Gott.

Ich kann aber auch in meiner eigenen Kraft vorangehen. Und dann komme ich genauso weit, wie meine eigene Kraft mich tragen kann. Das kann manchmal ziemlich weit sein. So schwach bin ich nämlich gar nicht mal. Aber egal wie weit es auch ist, im Vergleich dazu, wie weit ich mit Gottes Hilfe komme, ist es doch nur ein einziger, kleiner Schritt. Der eines Kleinkindes. Eines dickköpfigen Kleinkindes.

Und der Haken an der Sache mit meiner eigenen Kraft ist, dass das gegen Gottes Prinzipien ist. So funktioniert´s bei ihm einfach nicht. Ich versuche schon seit Jahren, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, aber er stellt sich da wirklich stur.


Er sagt, selig sind die, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Königreich (Mt 5:3).

Er sagt, dass uns gegeben wird, wenn wir bitten; nicht, wenn wir uns einfach nehmen (Mt 7:7-8).

Er sagt, die Demütigen werden erhöht werden; nicht die besonders Schlauen und Fähigen, die alles besser wissen und selber können (Mt 23:12).

Er sagt, dass er in den Schwachen stark ist, nicht in den Starken (2. Kor 12:10)

Er sagt, dass die, die zu ihm rufen, gerettet werden. Nicht die, die sich an den Haaren selbst heraus ziehen (Ps 40, 50:15)

Er sagt, dass die, die an seinem Haus bauen umsonst bauen, wenn er nicht daran baut (Ps 127:1).


Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich hört sich das irgendwie ganz schön nach Gebet an. Und so ein bisschen nach einer Lebensweise. So als ob Gottes Königreich so funktioniert. So gebaut wird. Als ob Gebet einer seiner Grundpfeiler ist.

Was, wenn Gott sein Königreich durch die baut, die schwach und voller Fehler sind? Die nicht alles wissen und nicht alles können? Die ihre Macken haben und noch eine Menge lernen müssen? Die mit all dem vor ihn kommen und ihn ganz einfach bitten? Um alles was sie nicht haben, nicht können, nicht wissen, nicht sind.

Was, wenn Gottes Königreich genau so funktioniert? Wenn es ihm gar nicht darum geht, was wir alles können, sondern einfach nur darum, ob wir ihn bitten können?


Vielleicht können wir Gebet doch nicht so einfach übergehen, wie wir es manchmal gerne würden. Vielleicht funktioniert das Leben doch nicht so, wie wir es gerne hätten oder wie die Welt es uns beibringt. Just sayin‘.

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