• Julia Kuntz

Das Herumkommen - Freds alltägliche Abenteuer 14. Okt 2015

Der treue Fred fährt nun tatsächlich jeden Tag mich und meinen - ich habe ihn gewogen - 10kg schweren Rucksack über die Berge von Kansas City in die Schule (einfach 4mi/6,4km). Fred und ich würden es in unserem momentanen Stadium der Verleugnung ja gerne Hügel nennen, aber für Hügel ist es zu steil. Viel zu steil. Fred ist jeden seiner 18 Gänge wert. Kansas City hat keine einzige ebenerdige Quadratmeile, nirgendwo! Was es dafür gibt, sind Schlaglöcher. In allen Größen, Formen und Tiefen. Und mit Tiefen meine ich Tiefseetiefen. Die einen einfach verschlucken können wenn man nicht aufpasst. Ist ja auch nicht so, dass man auf amerikanischen Strassen nichts anders zu tun hat als auf Löcher zu achten. Ist ja nicht so, dass hier alle 10m ein totes Tier auf der Straße liegt. Gut, in Wahrheit vielleicht nur alle paar hundert Meter, aber gefühlt zumindest ist Freds Weg mit Leichen gepflastert. Leichen in allen Verwesungsstadien. Opossum-Pfannkuchen, Hasen-Haufen, Waschbären die noch fast lebendig aussehen (sehr schlecht umfahrbare Hindernisse), Vogel-Matsche und Eichhörnchen. Millionen von Eichhörnchen. Immer. Dauernd. Überall. Und nein, sie sind nicht mehr süß. Die sind einfach strunz-dumm. Die legen es darauf an, überfahren zu werden!


Der arme Fred hatte auch gleich in der ersten Schulwoche einen Platten, denn der Flicken in seinem Hinterradschlauch war wohl doch zu alt. Das Tolle an Fred ist, dass man seine Räder ganz einfach ausbauen kann, dauert ca. 30s und man hat da einfach einen Hebel zum Drehen. Das Mysteriöse war, dass auch nach 30min harter Arbeit, Amy und ich einfach keinen Schlauch im Hinterreifen entdecken konnten. Also haben wir uns - sehr verwundert, aber dennoch - daran gemacht, den Hinterreifen aufzuschneiden, denn man hat ihn einfach nicht vom Rad bekommen.

Natürlich war dann doch ein Schlauch im Reifen, war ja klar. Und ich musste gleich beides neu kaufen. Kam war alles wieder eingebaut, standen wir vor dem nächsten Problem: das Ventil passte nicht zur Pumpe und ich konnte den Reifen nicht aufpumpen. Also wieder zum guten alten Walmarkt und einen anderen Schlau gesucht. Gab‘s nicht. Aber dafür einen Ventil-Aufsatz, der Vorletzte - der dann auch, Gott sei Dank, gepasst hat. Alles in allem hat die ganze Geschichte auch nur fast 4h gedauert. Immerhin kann ich meine Reifen jetzt alleine wechseln. Und mittlerweile wird der Vorderreifen verdächtig schnell platt...

Tatsache ist allerdings, dass auch wenn Fred es schaffen würde, seine Fahrerin die fast 10 Meilen zum nächsten größeren Supermarkt - ja, der liebe Walmart - nicht schafft. Schon gar nicht mit Einkäufen beladen über die ganzen Berge. Deswegen fährt Fred nur in die Schule und zum Gebetsraum und zum Einkaufen geht es dann mit Klassenkameraden oder Mitbewohnern einmal die Woche. Oder alle zwei Wochen...wann auch immer ich eine Mitfahrgelegenheit finde.

Der einzige Trost an der Sache ist, dass wenn ich wieder in Darmstadt bin, ich meine Fahrgeschwindigkeit locker verdoppelt haben werde.

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