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  • Julia Kuntz

Ein Blick hinter die Bühne - 30. Aug 2016

An meinem ersten Sonntag hier gab es eine offene Diskussions- und Fragerunde zu einem Thema, das momentan die Gemüter sehr beschäftigt: Rassismus. Schwarze und weiße Amerikaner stellten sich gegenseitig Fragen und berichteten von ihren Erfahrungen in einer zweigeteilten Gesellschaft. Für mich ein Einblick der besonderen Art.

Mit Rassismus in Deutschland verbinde ich (zumindest mit meinen Erfahrungen in der guten, alten Arheilger Mittelschicht), abfällig über Türken zu reden, sich zu überlegen, ob eine Polin oder das Altersheim günstiger für die Altersvorsorge sind oder einfach ein paar Witze über die Russen zu machen.

In Amerika hingegen bedeutet Rassismus, von der Polizei in regelmäßigen Abständen angehalten zu werden. Einfach nur, weil man Schwarz ist. Es bedeutet, wie ein Krimineller angeschaut und auch behandelt zu werden. Weil man schwarz ist.

Die Polizei, dein Freund und Helfer? Für Schwarze ein eher unrealistisches Konzept. Sie müssen aufpassen, was sie anziehen, denn mit einem Kapuzenpulli werden sie noch eher verdächtigt. Sie müssen aufpassen, wie sie reden, denn wenn sie den für Schwarze typischen Slang reden, werden sie für dumm gehalten. Sie müssen sich immer extra bemühen, damit sich Leute um sie herum wohlfühlen - und außer ihnen ist das keinem bewusst. Kaum einer der weißen Amerikaner wusste um die verschiedenen Welten, in denen Schwarze und Weiße hier leben. Schwarze Mütter machen sich Sorgen, dass ihre Kinder erschossen werden, wenn sie in den falschen Stadtvierteln leben. Entweder von der Polizei oder von verschiedenen Gangs. Und wieder andere Schwarze ärgern sich, dass sie immer als Bedürftige angesehen werden, nur weil es andere Schwarze gibt, die das eben sind.

Je länger ich den verschiedenen Seiten zuhörte, desto mehr enthüllten sich die Vielschichtigkeit des Problems. Dass Schwarze den gleichen Respekt entgegengebracht bekommen wollen wie Weiße, ist noch einfach zu verstehen. Aber bei allem Weiteren beginnen sich die Geister zu scheiden. Wollen sie ihre eigene Kultur behalten oder sich anpassen? Gleich oder nur gleichwertig behandelt werden?

Und auch die Weiße Fraktion ist sich nicht ganz einig. Darüber, wie sie das Problem überhaupt sehen. Und was sie für Lösungen bereithalten. Schwarzenquoten und mehr Hilfe für Schwarze aus sozialen Brennpunkten durch die Regierung. Oder doch Gleichbehandlung? Wie ändert man die Denkweisen ganzer Generationen, und das am Besten über Nacht? Säubert man die Einsatzkräfte der Polizei oder hat man doch eher Verständnis für sie?

Einig waren sich alle eigentlich nur darüber: im Leib Christi darf es Rassismus nicht geben. Und auch wenn wir die Probleme des ganzen Landes nicht lösen können, können wir doch vor unserer eigenen Haustür schon mal anfangen. Und unser Bestes geben.

Ein ziemlich beeindruckender Anfang, aus meiner Sicht.

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