• Julia Kuntz

Hinterfragt. - 10. März 2017

Gott ist nicht wie wir. So ganz und gar nicht wie wir. Er denkt nicht wie wir, sieht die Welt nicht wie wir. Er fühlt nicht wie wir, er handelt nicht wie wir. Er ist einfach ganz anders.

Anders ist immer schwer zu verstehen. Und um es zu verstehen, versuchen wir oft, in dem Anderen Ähnlichkeiten mit etwas zu finden, das wir verstehen können.

Wenn wir also nicht verstehen können, warum Gott etwas Bestimmtes tut oder eben nicht tut, dann überlegen wir, warum wir so handeln würden. Wir finden gute Gründe, logische Gründe. Aber Tatsache ist, dass das immer noch unsere Gründe sind und unsere Gründe werden nie ganz genau Gottes Gründe sein.

Ein gutes Beispiel ist der Tod eines geliebten Menschen: Wir sagen oft, dass Gott die Person jetzt zu sich geholt hat, weil er sich so nach ihr gesehnt hat; weil er sie jetzt bei sich haben wollte. Macht erstmal Sinn und Gott will die Person ja auch bei sich haben - immerhin ist er ja damals am Kreuz für sie gestorben. Aber ist das wirklich seine Motivation für ihren Tod zu genau diesem Zeitpunkt? Ist ihm jetzt auf einmal der Geduldsfaden gerissen und er hat das lange Warten nicht mehr ausgehalten? 5 Jahre mehr hätte er einfach nicht mehr geschafft? Er, der ewige Gott, der über Jahrtausende seinen Plan vollstreckt? Hat er die Person wirklich aus dem Egoismus sterben lassen, den wir ihm hier unterstellen? Weil er sie so liebt, wollte er sie jetzt bei sich haben und dass es anderen Schmerzen bereitet, dass die Person noch so viel vor sich hatte, ist ihm egal?


Was wir Gott unterstellen ist oft logisch in unseren Augen und damit für uns einfach zu verstehen. Aber gleichzeitig ist es auch einfach nur der Weg des geringsten Widerstandes. Denn wenn ich wirklich verstehen will, warum Gott diese Person jetzt hat sterben lassen, muss ich mich damit auseinandersetzen, dass er absolute und perfekte Liebe ist, in der kein Hauch von Egoismus zu finden ist. Alles was er tut, dient uns zum Besten. Dann muss ich auch noch seine Herrlichkeit als allmächtiger Gott in den Mix werfen, die ihm das Recht gibt, zu tun und lassen, was er will. Und als Sahnehäubchen oben drauf kommt noch seine Allwissenheit, seine göttliche Voraussicht, mit der er Auswirkungen einplanen kann, die ich zu meinen Lebzeiten niemals sehen werde.

Aus alledem eine Antwort auf das brennende „Warum?“ in unserem Herzen zu finden, ist wirklich schwer.


Aber Gott Antworten in den Mund zu legen, ist fatal. Wenn wir ihn nicht so stehen lassen, wie er ist, werden wir ihn nie wirklich verstehen, nie wirklich kennen.

Das wäre wie ein Gespräch mit einer Person zu führen und sie nie wirklich zu Wort kommen lassen, weil wir glauben, ihre Antwort ja schon zu kennen. Nie zu fragen, was sie denkt oder fühlt, weil wir annehmen, es schon zu wissen. Was für eine Beziehung könnten wir da jemals haben? Könnten wir sie jemals vollkommen kennen, dieser Person vollkommen vertrauen?

Könnten wir nicht.

Und genauso wenig werden wir Gott jemals wirklich kennen und absolut vertrauen können, wenn wir den Weg des geringsten Widerstandes gehen.

Wir müssen uns trauen, ihn zu fragen; es wagen, ihn Gott sein zu lassen - der, der unser Denken übersteigt. Denn wenn wir nichts wagen, können wir auch nichts gewinnen. Weder Antworten, noch Vertrauen, weder wahre Freundschaft, noch starken Glauben.


Gott ist stark genug, um uns mit ihm ringen zu lassen. Er verzweifelt nicht an unseren Zweifeln und egal, wie oft wir ihn dasselbe fragen, wir können ihn nicht in den Wahnsinn treiben. Wenn wir wütend auf ihn sind oder einfach nur frustriert, ändert das ihn und seine Liebe für uns nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Gott liebt es, wenn wir bitten, an seine Tür klopfen (Mt 7:7), ihn nicht in Ruhe lassen, weil wir unbedingt Antworten haben wollen (Lk 18:1-8). Er sehnt sich danach, gesucht und gefunden zu werden, endlich gekannt zu werden (Jer 24:7, 29:13, 2. Kor 4:16, Eph 3:17-19).

Jeder Liebende will von der Person, die er liebt, erkannt und verstanden werden. Mit Gott ist es genauso.

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