• Julia Kuntz

Schwach.Sinn - 31. Jan 2017

Schon mal darüber nachgedacht, dass Schwächen vielleicht gar nicht so schlimm sind? Dass es nicht so schlimm ist, dass wir eben nicht das sind, was wir gerne wären: stark, unabhängig und in uns selbst genug.


Ach ja, so zu sein, wäre schön. Dann bräuchte ich keine Hilfe von anderen, keine Unterstützung, keine Ratschläge - ich bräuchte nicht mal Gott, um mein Leben auf die Reihe zu bekommen! Und wie vielen Problemen man damit aus dem Weg gehen könnte: All diesen Missverständnissen, den Fettnäpfchen, den Reibereien, den nervigen Macken der anderen...das Leben wäre so viel einfacher!


Und gleichzeitig so viel einsamer: All die Unterhaltungen, die wir nie führen würden, weil ich deine Ratschläge oder einfach deine Meinung nicht mehr bräuchte. All die Zeit, die wir nicht mehr zusammen verbringen würden, weil ich ja deine Hilfe auch nicht mehr bräuchte. Ich würde dir auch meine schwache Seite, und damit mein wahres Ich nicht mehr zeigen, denn ich könnte ja all meine Probleme alleine lösen. Ich müsste dich nicht mal annähernd so weit in mein Leben und in mein Herz hinein lassen. Ich könnte mich auch einfach selbst verwirklichen und alleine ans Ziel kommen.


Und weil Gott das weiß, hat er mir meine Schwächen gelassen. So beschützt er mich sozusagen vor mir selbst und meinen „Werkseinstellungen“ als gefallener Mensch: Vor meiner Tendenz, einfach nur das Ziel erreichen zu wollen. Und den einfachsten und schnellsten Weg zu gehen. Genau deswegen sind meine Schwächen gut.


Jede meiner Schwächen ist eine Gelegenheit, einem anderen Menschen näher zu kommen.

Und dafür wurden wir geschaffen. Wir finden Erfüllung darin, andere zu lieben und von anderen geliebt zu werden, einander zu helfen, zu geben und zu nehmen, zu kennen und gekannt zu werden. Wir wurden für einander geschaffen. Um uns zu ergänzen, den Weg zum Ziel gemeinsam zu finden und gemeinsam zu gehen. Nicht alleine. Nicht stark. Sondern schwach, auf andere angewiesen. Gemeinsam.


Deswegen ist es in Ordnung, schwach zu ein. Schusselig, vergesslich, schlecht in Rechtschreibung oder Mathematik. Unkreativ oder verplant, schüchtern oder einfach ein bisschen zu sehr mit dem Kopf in den Wolken. Denn all das ist eine Einladung für einen anderen Menschen, sich an unsere Seite zu stellen und das Leben mit uns gemeinsam zu leben.

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