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  • Julia Kuntz

Die Kunst des Betten-Machens - 17. Aug 2015


Wer macht sich in Deutschland schon groß Gedanken um sein Bett?

Man schlüpft unter die Decke, legt den Kopf aufs Kissen und schläft friedlich ein. Und am Morgen legt man die Decke einfach ordentlich wieder drauf. Jaja, lasst euch bloß nicht verleiten zu glauben das wäre in Amerika genauso leicht! Hier schlüpft man nicht einfach ins Bett - hier klettert man. Auf einem dicken Matratzenkasten liegt eine noch mal genauso dicke Matratze, sodass am Ende das Bett fast einen ganzen Meter hoch ist. Rausfallen bedeutet hier nicht blaue Flecken, sondern Genickbruch.


Hier schlüpft man auch schon gar nicht unter eine Decke - wer braucht bei 17° schon eine Decke, wenn ein dünnes Laken genügt! Das Laken ist genauso dünn wie das Tuch das über der Matratze liegt und jeden Morgen gerichtet werden will, denn einen Gummizug hat es nicht. Braucht man auch nicht. In meiner ersten Nacht habe ich mit drei dünnen Laken geschlafen - nachdem ich 3 überflüssige Kissen in den Schrank geräumt und die „Fussfesseln“ vom Bett genommen hatte. Ja, wer hier glaubt sich beim Schlafen bewegen zu können, hat das Konzept noch nicht durchschaut. Die Essenz des amerikanischen Bettenmachens liegt in der Bewegungslosigkeit des Schläfers. Ein einziges Zucken des kleinen Fußzehs zerstört unabänderlich das feine Gefüge des Laken-Kosmos. Deswegen spannt man am Ende des Bettes über das Laken einen sehr bereiten Stoffstreifen, der es unmöglich macht, die Füße zu bewegen. Problem gelöst, Welt gerettet!


Doch wehe den armen Ausländern, die nachts tatsächlich frieren oder gar ihre Füße bewegen wollen oder -wie in meinem Falle - mit den Füßen einen Zentimeter über das Bettende hinausragen!

Nach mehreren Nächten, in denen ich mich im Schlaf also kunstvoll in meine drei Laken verstrickte, beschloss ich meine Vermieterin nach einem Bettdeckenbezug zu fragen, denn ich hatte tatsächlich eine Bettdecke im Schrank gefunden- nur keinen Überzug.

Die erste Hürde: wie heißen Bettdecke und Bettdeckenbezug auf Englisch? Von den Philippinen her kannte ich nur blanket, also das dünne Laken.

Das Internet war da eine sehr große Hilfe: davon konnte ich mir eins aussuchen.


Als meine Vermieterin dann kam, hatte sie einfach noch zwei weitere Kolter dabei - und Gott sei Dank - die Geduld, mich in die geheime und komplizierte Kunst des Bettenmachens einzuweihen. Was Amerikaner - oder zumindest ihre Familie - tun, ist... schon fast zu schlimm um es in Worte zu fassen. Anstatt die Bettdecke zu beziehen, legt man einfach ein Laken drunter. Punkt. Am Ende schläft man also einfach unter dem Laken mit Bettdecke oben drauf, damit die dann auch nicht dreckig wird.

Es gibt natürlich auch noch die schicke Variante, bei der die Bettdecke tatsächlich überzogen ist - oder eher, bei der Bezug und die Bettdecke eins sind. Da man diese dann ja nach Gebrauch in die Wäscherei geben müsste - was macht der Amerikaner - legt man natürlich wieder ein Laken unter.

Amerikaner scheinen eine sehr enge Bindung zu ihrem Laken zu haben.


Fazit dieser ganzen Geschichte ist: wer nicht bewegungslos schlafen kann, hat Pech gehabt. Wer friert, hat Pech gehabt. Wer glaubt, einfach die Klimaanlage runter drehen zu können, hat Pech gehabt. Die lässt sich in den Zimmern nicht regulieren sondern hat für das ganze Haus eine Temperatur.

Der einzige Trost: der erste Satz einer Polin zu diesem Thema: I hate how Americans make their beds. It does not make any sense to me! (Ich hasse es, wie die Amerikaner ihre Betten beziehen. Das macht überhaupt keinen Sinn!)

Aber was wäre es für eine Eingewöhnungsphase ohne diese Perlen des Alltags.


So sieht mein Bett übrigens aus - bevor und nachdem ich darin geschlafen habe:



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