• Julia Kuntz

Ein Jahr.

Es hat tatsächlich ein ganzes Jahr gedauert. 5 Mal aufgehört und 6 Mal wieder von vorne angefangen. Konservativ geschätzt. Sich irgendwie bis zum Ende durchgebissen.

Nicht geglaubt, dass ich es schaffen kann und doch ist es irgendwie passiert. Zu meiner eigenen Überraschung!


Ich habe den Epheserbrief auswendig gelernt. Tatsächlich. Von Anfang bis Ende. Ich, berüchtigt für mein Hirn wie ein Sieb.

Warum ich darüber unbedingt einen Blogpost verfassen muss? Will ich vielleicht ein bisschen damit angeben? (Würde ich gerne, aber ich vermute, dass, wenn ich es jemandem aufsagen müsste, ich vor lauter Nervosität alles spontan wieder vergessen würde.)


Aber diese Jahr mit dem Epheserbrief hat mich verändert, so ermutigt und gestärkt, dass ich es euch auch ans Herz legen möchte. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn mein Herz war davon am meisten betroffen.



Das Selbsterklärende.

Kennt ihr das auch, wenn man etwas immer wieder hört und es dann ganz plötzlich auf einmal “klick” macht und alles Sinn ergibt?

Im Epheserbrief gab es so manche Passage, die sich mir einfach früher nie erschlossen hat. Und jetzt, im Laufe diesen Jahres, wo ich alles zum Auswendiglernen immer wieder wiederholen musste, hat es auch immer wieder “klick” gemacht und ich habe alles mögliche verstanden! Einfach, weil die Bibel sich selbst erklärt, wenn man tatsächlich alles liest und nicht nur einen einzelnen Vers oder eine Passage.

Irgendwie logisch - und trotzdem hat es mich immer wieder überrascht.


Der Gesamtzusammenhang.

Gerade Paulus ist ja für seine eher ausschweifende und auch mal abschweifende Art bekannt. Ich hätte schwören können, dass Paulus manchmal einfach alles mögliche auflistet, was ihm grade so in den Sinn kommt. Umso überraschter war ich, als ich gemerkt habe, dass bei ihm tatsächlich alles zusammenhängt! Und zwar die ganzen 6 Kapitel lang!

Und das wirklich Schöne ist, dass es Paulus gar nicht darum geht, seine Leser endlich mal zur Ordnung zu rufen und ihnen den Kopf wieder grade zu rücken. Vielmehr nimmt er sie mit in die Gegenwart Jesu, verliert sich ganz in dem, was Jesus für uns getan hat und wer wir in ihm sind - und ermutigt uns dann im Licht dessen, was wir gerade gesehen haben zu leben.


Der rote Faden.

Ständig habe ich mich verhaspelt, weil sich alles wiederholt: die Gnade, die Fülle Jesu, der Leib Christi, Moment, schon wieder die Gnade, Jesus und - schon wieder die Gnade. Hatte ich die nicht schon mal? Ist das jetzt die aus Kapitel 1 oder doch 3?

Was mich beim Auswendiglernen tatsächlich in den Wahnsinn getrieben hat, hat aber auch meine Sicht verändert : Überall, in allem, hinter allem sehe ich jetzt die Gnade Gottes. Als hätte jemand das Licht angeknipst. Oder einen strahlenden Instagram-Filter über alles gelegt.

Einfach gesagt ist die Gnade das, was Gott uns gibt und wir nicht verdienen. Seine unverdiente Freundlichkeit und Güte, mit der er uns jeden Tag regelrecht überhäuft.

Der Rote Faden im Epheserbrief und in meinem Leben.


Das “Waschen mit dem Wort”.

Im Kapitel 5,26, sagt Paulus das so schön: Jesus will die Gemeinde heilig machen, zu einer Braut ohne Makel, indem er sie mit seinem Wort wäscht wie mit Wasser. (Julia’s Version)

Die Bibel, Jesu’ Wort immer wieder zu hören, selbst laut zu sagen, sich damit zu beschäftigen ist tatsächlich ein bisschen wie unter einer Dusche zu stehen. Es spült mit einem beständigen Fluss und einem angenehmen Druck einfach alles weg, was sich als “Dreck” herausstellt.


Man kann das natürlich auch verpönt als Gehirnwäsche bezeichnen. Aber vielleicht ist das nicht unbedingt etwas schlechtes? Wenn man so viel wiederholt, hat man tatsächlich das Gefühl, man unterzieht sich selbst einer Gehirnwäsche. Aber… eigentlich will ich ja auch genau das: “Lasst euch in eurem Denken verändern und euch innerlich ganz neu ausrichten. Zieht das neue Leben an, wie ihr neue Kleider anzieht. Ihr seid nun zu neuen Menschen geworden, die Gott selbst nach seinem Bild geschaffen hat. Jeder soll erkennen, dass ihr jetzt zu Gott gehört und so lebt, wie es ihm gefällt.” (Epheser 4, 23-24)

Ich würde es auch eher als ein Marinieren in der besten Steaksoße der Welt nennen. Ein sich Durchdringen lassen, innerlich Verändern lassen - von etwas wirklich Gutem! Und ganz ohne Druck, ohne verzweifelte Anstrengung aus eigener Kraft… sondern einfach durch entspanntes Marinieren.


Das Gott-Begegnen.

Wer hätte gedacht, dass man Gott so einfach beim Auswendiglernen begegnen kann? Aber so war es wirklich. Auf einmal war es mehr als Information - Gott wurde mit jedem Mal realer; seine Beweggründe und Handlungen waren auf einmal so real und nahbar wie die eines guten Freundes. Es war plötzlich nicht mehr abstrakt sondern nachvollziehbar; nichtmehr etwas rein theologisches, sondern eher das Verstehen eines Freundes.

Plötzlich haben die Worte mich angesprochen, ihren Sinn in meiner Zeit und in meinem Leben entfaltet - ohne, dass ich sie irgendwie dafür zurecht biegen musste, sondern ganz von alleine.


Das Verstehen mit Herz und Hirn.

“Ich verstehe was du sagst, aber nicht was du meinst.” Wie oft verstehe ich die Bibel nur auf reiner Kopfebene, nehme die Worte wortwörtlich wahr und schaffe es aber nicht, die Intention, also das Herz oder den Geist dahinter zu verstehen.

Irgendwie schafft es das Wiederholen aber, dass der Text auf einmal auf beiden Ebenen verständlich wird. Dass ich nicht nur höre, was genau gesagt wird, sondern auch, wie es gemeint wird. Weil man plötzlich fast schon den Tonfall des anderen hören kann, ihn plötzlich so gut kennt, dass man weiß, mit welcher Herzenshaltung er es gemeint hat. Weil man sich ja schon so lange, so intensiv mit ihm “unterhalten” hat.


Das Projekt, das ich eigentlich nur als Experiment mal ausprobieren wollte, hat sich tatsächlich als die beste Entscheidung ever entpuppt.

Es hat mich in meinem Glauben bestärkt, mein Gottesbild gefestigt, meine Liebe zur Bibel angefacht, meine Theologie weiterentwickelt - und es hat tatsächlich auch einfach Spaß gemacht.

Ich kann nur sagen: Probiert es aus!



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